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Die neuen Doppelstockwagen der S-Bahn Halle - Leipzig

Erschienen am 4. Juli 2005


Nagelneu strahlt die Doppelstockgarnitur im Leipziger Hauptbahnhof, trotz Gewitterregens. Wer einsteigt, ist vom Komfort beeindruckt: kühl-gediegenes Design, bequeme Sitze sogar mit Armlehnen - kein Vergleich zu den alten Reichsbahn-Doppeldeckern, die auch nach versuchter Modernisierung nie wirklich überzeugen konnten. In der ersten Klasse herrscht schon regelrecht ICE-Komfort mit Teppich und Laptop-Steckdosen.

Schicke Züge die der Freistaat Sachsen da für die S-Bahn Leipzig-Halle ausgegeben hat. Grund genug für zahlreiche Leipziger und Hallenser, am Eröffnungstag mal die unbekannte Nachbarstadt zu besuchen. Schon gleitet die Fuhre sanft los, rollt, nein schwebt geradezu über das sonst so rumpelige Leipziger Weichenfeld. Ein feiner Zug, der eher an Fernverkehr denken lässt, kaum wohl an eine S-Bahn.

Für den S-Bahn-Einsatz sind die Wagen denn auch wenig geeignet: Zu wenig Türen erfordern lange Haltezeiten - der Fahrgastwechsel in Leipzig Hbf gab schon einen Vorgeschmack auf das Chaos, das einst im Citytunnel zu erwarten wäre. Auch die Beschleunigung ist eher mäßig, müht sich vor dem Zug doch eine Güterzuglok aus DDR-Zeiten. Bei dem dichten Haltestellenabstand geht es nur schleppend vorwärts. Erst hinter Wahren kann der Zug seine Laufruhe richtig unter Beweis stellen.

Jetzt hat der Bahnkunde die Wahl: Luxus-Bummelzug in 37 Minuten, oder der politisch ungewollte Regionalexpress über den Flugafen mit alten Schlurren, dafür aber aber in 28 Minuten. Bis zur Citytunnel-Eröffnung wird sich Sachsen zur Fahrzeugfrage wohl noch mal Gedanken machen müssen: Auf eine S-Bahn gehören nun mal spurtstarke Triebwagen mit vielen Einstiegen. Die edlen Doppeldecker wünschen wir uns hingegen auf den Regionalexpress-Linien, etwa nach Dresden, Magdeburg oder Zwickau.

Fakten zur Strecke:

Länge: 33 km
Stationen: 13
Fahrzeit: 37 min
Takt: 30 min
Durchschnitt: 53 km/h

 

 

 

 

 

Fakten zum Fahrzeug:

Zum Einsatz kommen 3-Wagen-Garnituren mit neuesten Doppelstockwagen, gebaut bei Bombardier in Görlitz.

Ein Zug bietet 338 Sitzplätze, zwei Fahrradräume und eine behindertengerechte Toilette. Theoretisch könnten sie 160 Km/h laufen, aber für die Lok der Baureihe 143 ist bei 120 Schluss.

Fotos: Gerhard Rieskamp

Mit dem Schriftzug HALLEIPZIG wirbt die Deutsche Bahn für die Ende 2004 eröffnete S-Bahn-Linie.

Fotos: Gerhard Rieskamp

Weil die Doppelstockwagen zu wenig Türen haben, kommt es schon bei wenigen Fahrgästen zu Stau.

Fotos: Gerhard Rieskamp

Klarer Gewinn sind die bequemeren Sitze, denen die Bahn sogar Armlehnen spendiert hat.

Fotos: Gerhard Rieskamp

In der 1. Klasse gibt's neben breiteren Sitzen auch noch Teppich, Tische und Steckdosen.

Fotos: Gerhard Rieskamp

Die für die Fahrradmitnahme so wichtigen Mehrzweckabteile gibt es nun nur noch in zwei Wagen.

Fotos: Gerhard Rieskamp

Leider wirken die Bahnsteige entlang der Strecke auch mit den schicken Wagen noch trostlos.

Fotos: Gerhard Rieskamp

Die Treppen verlangsamen den Fahrgastwechsel, sind aber immerhin breiter als beim Vorgänger

Fotos: Gerhard Rieskamp

Bei Klimanlage, Tisch und Steckdose fühlt man sich zumindest in der 1. Klasse schon wie im ICE.

 

Text und Fotos: Gerhard Rieskamp



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